Vereinsgeschichte:

Über die Anfänge des Rad-Tourenfahrens im RC CITO Hennef

Zu Beginn der 1970er Jahre breitete sich, ausgehend von unserem Nachbarland Belgien, eine völlig neuartige Bewegung im Radsport nach und nach auch in Deutschland aus, die „Radtouristik“. Dabei ging (und geht es auch heute) es nicht um Sieg, Platzierung und schnelle Zeiten, sondern um  sportliches Radfahren, aber ohne Wettkampfcharakter, auf dafür vom Veranstalter speziell ausgeschilderten Strecken unterschiedlicher Länge  (welche frei zur Auswahl stehen) und die in einer ausreichend bemessenen Zeit zu absolvieren sind, wobei – und das war die ganz große Neuigkeit – es auch keine Massenstarts mehr gab sondern einen etwa 2-stündigen Startkorridor. Damit konnten die veranstaltenden Radsportvereine die immer strenger werdenden Auflagen der Straßenverkehrsbehörden beispielsweise für Fahrten mit Wettkampfcharakter und Massenstarts umgehen.

Die Radtouristik fand in Nordrhein-Westfalen schnell großen Anklang! Der RTC Köln war damals derjenige Verein im Landesverband NRW des Bundes Deutscher Radfahrer (BDR), der im Köln/Bonner Raum als erster Radtourenfahren organisierte („Forsbach-Rundfahrt“ „Bergisches Karusell“). Im Rhein-Sieg-Kreis war der RV „Blitz“ Spich der erste Verein, der 1974 eine Radtouristik-Fahrt durchführte.

Damals war der RC „CITO“ 1906 Hennef-Geistingen (1906 gegründet) ein reiner Saalradsportverein, ein Metier in dem man durchaus erfolgreich war (zumindest zeitweise): Man errang 1959 mit einer 6er Damenmannschaft die Bezirksmeisterschaft; 1972 holte die Männermannschaft im 4er Einradreigen zum 3. Mal in Folge die Bezirksmeisterschaft, gefolgt von einer NRW-Landesmeisterschaft im gleichen Jahr. Danach ging es in Hennef aber langsam und stetig bergab mit dem Saalradsport.

In den 1970er Jahren hatten sich jedoch einige Hennefer Rennradfahrer zusammengefunden, die in unregelmäßigen Abständen gemeinsame Touren durchführten. Irgendwann reifte bei diesen Rennradfahrern dann die Absicht, sich dem Nachbarverein RV Siegburg anzuschließen, denn der hatte zumindest eine Straßenrad-Rennabteilung zu bieten. Davon erfuhr der damalige Vorsitzende des RC CITO, Theo Gussmann; dieser war weitsichtig genug, das Hennefer Rennrad-Grüppchen dazu zu überreden, sich dem RC CITO anzuschließen und bot an, dafür extra eine eigenständige  Abteilung für Straßenradsport zu gründen.

Im November 1976 wurde daraufhin diese Abteilung offiziell und mit folgen den Mitgliedern aus der Taufe gehoben: Rolf Pilger / Josef Demuth / Reinhold Höhner / Rolf Mannsbarth / Karl-Heinz Lendle / Wolfgang Frings und Heinz-Josef Wallau.

In der Anfangszeit war jedoch an ein regelmäßiges und  gemeinsames Training nicht zu denken. In der Regel fuhr jeder alleine für sich, so wie er gerade Zeit und Lust hatte. Gelegentlich verabredete man sich zu gemeinsamen Ausfahrten oder, und das war dann im Laufe der Zeit mehr und mehr der Fall, man fuhr gemeinsam zu einer dieser neuen Rad-Breitensport-Events. So bestritt man zum Beispiel am 27. März 1977 die 100-km-Distanz in 3 Stunden und 17 Minuten !!!  (trotz nasskaltem Wetter) beim „Olympia-Preis von Würselen“ nahe der holländischen Grenze. Weitere gemeinsame Starts im gleichen Jahr: Pulheim, Düren, Bensberg, Weilerswist, Ratingen, Lüttringhausen, Solingen, Frechen, Rath-Heumar, Köln-Kalk, Köln-Worringen, Leverkusen, Spich, Oberzier und beim RTC Köln.
Das Highlight war die Teilnahme an der internationalen Bodensee-Rundfahrt über 220km mit Start und Ziel in Stein am Rhein.

Es war dies tatsächlich der 1. Radmarathon für den Radclub CITO; für die erfolgreiche Bewältigung dieser für die CITOs völlig ungewohnt langen Distanz erhielten Rolf Pilger, Reinhold Höhner, Josef Demuth, Wolfgang Frings, Wolfgang Jantzen und Heinz-Josef Wallau als Ehrenpreis eine Goldmedaille!

1979 wurde dann von den Hennefer Straßenradsportlern die erste eigene Radtouristik-Veranstaltung angeboten (1. Westerwald-Siegtal-Tour), wobei der damalige Vereins-Vorsitzende Jupp Wallau die organisatorische Hilfestellung in höchsten Tönen lobte, welche unser Verein vom damaligen Bundesfachwart Breitensport im BDR, Herrn Erich Fischer (RTC Köln) bekommen hat.

1980 folgte dann mit der 2. Westerwald-Siegtal-Tour der große (und bis heute nicht getoppte) Teilnehmerrekord mit über eintausend Radler/n/innen.

Der CITO hatte – damals ein großer Vertrauensvorschuss – vom BDR die Erlaubnis erhalten, als einer von bundesweit neun Breitenradsportvereinen, die „Formel-L“ innerhalb der Radtouristik-Veranstaltung durchzuführen (L = Leistung).  Dabei wird während einer Radtourenfahrt ein  Zeitfahren mit Einzelstart von 2,5 – 25 km Länge in verschiedenen Altersklassen ausgetragen und bundesweit eine Jahresbestenliste geführt. Die dafür vom CITO ausgesuchte Bergstrecke führte von Eitorf-Borauel auf den Hohner Berg; sie war 2,7 km lang und hatte 150 Höhenmeter; die Ø-Steigung war 5,5%.

Der bergfesteste CITO-Fahrer war damals Rolf Pilger. Er nahm 1980 an allen Formel-L-Bergzeitfahren teil und belegte am Jahresschluss in der BDR-Wertung einen herausragenden 6. Platz!

Stand: 26.04.26 ® by Helmut  Schumacher